Feldnotizen

Kurze Beobachtungen zu Raum, Wahrnehmung, Bestand, Natur und Technik.

Architektur beginnt oft lange vor dem ersten Grundriss.

Manchmal in einem Technikraum.
In einer Spiegelung.
In einer Pflanze, die durch Beton wächst.
Oder in der Frage, warum sich manche Räume selbstverständlich anfühlen — und andere nicht.

BIOPHILIA · Domenig Steinhaus · 2016

Der Technikraum

Der interessanteste Raum im Domenig Steinhaus war nicht der große Raum mit Aussicht, sondern der Technikraum.

Die Installation reagierte auf Bewegung. Erst wenn man still wurde, öffnete sich die Projektion.

Eine Spiegeloberfläche machte den Raum gleichzeitig sichtbar und unsichtbar. Biolumineszenz-Aufnahmen reflektierten an Betonwänden, verloren sich, wurden schwächer und verschwanden wieder.

Schichtung — Stuckdecke und neue Ebene

Mich interessiert bis heute, wie Räume Verhalten verändern — nicht durch Regeln, sondern durch Bedingungen.

Licht als Material

Licht ist kein Effekt.

Es beschreibt Material, Tiefe und Zeit.
Es macht sichtbar, was ein Raum eigentlich ist.

Kellergarten · Heiterwang
Waldfarn im Kellergarten — erster Austrieb

Was wächst, wenn man einem Betonhof Zeit gibt?

Ein Garten beginnt nicht mit Pflanzen, sondern mit Bedingungen.

Licht.
Wasser.
Schatten.
Material.
Zeit.

Natur ist kein Stil

Mich interessiert etwas anderes:
Nicht die Form der Natur — sondern ihre Logik.

Wachstum.
Anpassung.
Schichtung.
Rückkopplung.
Veränderung über Zeit.

Architektur wird interessant, wenn sie beginnt, solche Prozesse ernst zu nehmen.

Räume die erst in der Stille sichtbar werden

Mich interessieren Situationen, in denen Architektur weniger erklärt — und mehr wahrnehmbar wird.

Warum mich Museen interessieren

Museen sind eigentlich keine Gebäude für Objekte.
Sie sind Räume für Aufmerksamkeit.

Licht, Bewegung, Reihenfolge, Blickrichtung und Atmosphäre entscheiden oft stärker über eine Ausstellung als einzelne Exponate.

Der übersehene Raum

Nicht das Foyer.
Nicht der große Saal.
Nicht die Aussicht.

Sondern:
Nebenräume.
Übergänge.
Treppen.
Technikräume.
Zwischenzustände.

Räume, die nicht für Aufmerksamkeit entworfen wurden — und gerade deshalb besonders ehrlich wirken.

Hikikomori · Masterarbeit · 2022

Das virtuelle Fenster

Was unterscheidet eine virtuelle Szene von einem Video?

Vielleicht: dass sie auf den Körper reagiert.

Wenn sich der Betrachter bewegt, verschieben sich Vordergrund und Hintergrund gegeneinander. Der Raum antwortet.

Ein Gebäude ist nie fertig

Licht verändert Oberflächen.
Pflanzen übernehmen Kanten.
Material bekommt Gebrauchsspuren.
Räume werden umgenutzt.

Mich interessieren Gebäude, die solche Veränderungen nicht bekämpfen müssen.

Kontext statt Grundriss

Ein Gebäude steht nie für sich allein. Deshalb beginne ich Projekte selten mit einem Grundriss.

Sondern mit Fragen:

  • Was war vorher da?
  • Wie wird der Ort benutzt?
  • Was fehlt?
  • Was sollte bleiben?
  • Wie bewegt man sich?
  • Was verändert sich über Zeit?

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