Kletterpflanze an Betonwand mit Sonnenlichtstreifen — Kellergarten Heiterwang

Ein abgesenkter Zwischenraum
zwischen Büro, Balkon und Stützwand.

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Heiterwang · laufend

Kellergarten

OrtHeiterwang, Tirol · 976 m
Jahr2026 –
TypAbgesenkter Außenraum, Eigenversuch
Fläche6,10 × 3,81 m
LeistungenEntwurf, Pflanzplan, Umsetzung

Ausgangslage

Der Raum entstand nicht als geplanter Garten. Durch die Abgrabung für ein belichtetes Kellerbüro entstand zwischen Stützwand, Gabionen und dem darüberliegenden Balkon ein abgesenkter Zwischenraum mit eigenen klimatischen Bedingungen.

Die Höhe der Betonwände, die geringe direkte Sonneneinstrahlung und die eingeschlossene Lage verändern Temperatur, Feuchtigkeit und Luftbewegung deutlich.

Die Untersuchung beginnt mit einer einfachen Frage: Wie verändern sich Atmosphäre, Vegetation und Nutzung in einem dauerhaft schattigen Zwischenraum?

Kellerinnenhof im Rohbauzustand — Betonwände, kein Erdreich

Herbst 2024 — der Hof im Rohbauzustand

Schnitt — Wohnraum → Balkon → Kellergarten → Büro · Schatten · Wasser · Temperatur
Beginn der Bepflanzung — Schneereste, Trittsteine, aufgebrochene Erde

April 2026 — Beginn. Schneereste, frisch gelegte Trittsteine

Frühjahr 2026

Der Ort befindet sich noch am Anfang seiner Entwicklung. Die ersten Pflanzen wurden erst vor kurzem gesetzt — Farne, Waldgräser, Moose und einzelne Stauden, überwiegend aus bestehenden, schattenverträglichen Bereichen.

Die ersten gesetzten Pflanzen reagieren bereits deutlich auf Schatten, Feuchtigkeit und die eingeschlossene Lage. Wo Wasser entlang der Betonwand stehen bleibt, wächst es schneller.

Zeitliche Entwicklung — 2024 → 2025 → 2026

Zonenkonzept

Zonenkonzept & Pflanzplan:
Sechs Zonen, jede mit eigener Logik.

Der Hof ist 6,10 × 3,81 m — klein genug um jede Pflanze einzeln zu entscheiden, groß genug um ein vollständiges Ökosystem anzulegen. Jede Zone hat ihr eigenes Mikroklima, ihre eigene Pflanzgesellschaft und ihre eigene Funktion.

Zonenplan Kellergarten Heiterwang — Pflanzplan Landschaftsarchitektur Bezirk Reutte

Pflanzenauswahl

Warum welche Pflanze — und wo.

Übergangszonen — Beton → Moos → Farn → Strauch
A

Shelter
Trockenstreifen

1,20 m unter dem Dachüberstand. Kein Regen, kaum Licht. Der härteste Bereich. Die Pflanze muss selbst im Winter grün bleiben.

  • Haselwurz (Asarum europaeum) — immergrün, kriechend. Übersteht Frost, Trockenheit und Vollschatten. Kein Dekor — Infrastruktur.
  • Elfenblume (Epimedium) — Trockenheit unter Dachüberstand ohne Murren. Frühblüte März: erster Beweis dass der Winter vorbei ist.
  • Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides var. robbiae) — kalkgrüne Hochblätter, Winterrosetten. Hält Struktur wenn sonst nichts blüht.
  • Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium) — grafisch, glänzend, immergrün. Kontrast zu allen anderen Farnen.
  • Weiße Bergenie (Bergenia) — immergrün, Blüte März–April. Großblättrig, robust.
B

Sitzplatz
Rücken

Hinter Bank und Tisch. Der Sitzplatz braucht einen Rücken — Volumen und Höhe, das ihn räumlich definiert ohne zu erdrücken.

  • Waldgeißbart (Aruncus dioicus) — 1,50 m hoch, cremefarbene Rispen im Juni. Raumbildende Leitstaude des Hofs.
  • Nieswurz (Helleborus foetidus) — Winterarchitektur. Dezember bis März, wenn alles andere schläft.
  • Waldfarn (Dryopteris wallichiana) — 60–90 cm, architektonisch. Grüner Hintergrund für den Sitzplatz.
  • Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) — aus dem Wald dahinter, an der Wand geführt. Rote Früchte im Herbst.
C

Lichtung
Offene Mitte

Die hellste Zone. Licht fällt von oben ein. Vegetation kann sich bewegen — wehen, wachsen, saisonal wechseln.

  • Schnee-Marbel (Luzula nivea) — kein Rasen, aber ein Gras das Schatten versteht. Weiße Blüten im Juli.
  • Sperrige Aster (Eurybia divaricata) — weiße Sterne auf dunklen Stielen, September bis Oktober. Letzter Auftritt.
  • Salomonssiegel (Polygonatum) — bogenförmige Stängel, hängende Glöckchen im Mai. Elegantester Moment des Hofs.
  • Farne — Dryopteris wallichiana, Rotstielfarn, Filix-mas, Hirschzungenfarn, Europäischer Farn, Sternmoos, Dorniger Farn, Moosfarn.
D

Kompression
Schmaler Korridor

60 cm zwischen Plattenweg und Betonwand. Eng genug für Dichte, schmal genug dass nur Vertikales funktioniert.

  • Jakobsleiter (Polemonium caeruleum) — blaue Blüten, Mai–Juli.
  • Honorine Jobert (Anemone × hybrida) — weiße Herbstanemone, August–Oktober.
  • Sperrige Aster (Eurybia divaricata) — weiße Sterne, September–Oktober.
  • Efeu (Hedera helix) — kriechend, Bodendeckung.
  • Buschwindröschen (Anemone nemorosa) — weiß, aus dem Wald. Kurzlebig, intensiv, verschwindet wieder.
  • Farne — Wurmfarn, Hirschzungenfarn.
  • Mädchenkiefer (Pinus sylvestris 'Watereri') — langsam, strukturgebend.
  • Ährenfelsenbirne (Amelanchier spicata) — Blüte April, Herbstfärbung, Früchte.
E+F

Fugen
Leinwand

Fugen der Betonplatten und die 6,10 m lange Sichtbetonwand. Kontrollierter Verfall als Gestaltungsprinzip.

  • Japanisches Waldgras (Hakonechloa macra) — beweglich, leuchtet im Herbst.
  • Waldmeister (Galium odoratum) — kriechend, Bodendeckung.
  • Kleiner Waldgeißbart (Aruncus aethusifolius) — kompakte Form für enge Fugen.
  • Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) — Blüte April, Herbstfärbung.
  • Efeu, Frauenmantel (Alchemilla), Gundermann (Glechoma).
  • Moos aus dem Wald — gesammelt, nicht gekauft. Die Fuge wird langsam grün.
G

Gabionenbeet
Rückwand

Gabionen als Rückwand des Hofs. Feuchter Schatten, geschützte Lage.

  • Farne — verschiedene Arten, strukturgebend.
  • Kletterhortensie (Hydrangea anomala subsp. petiolaris) — langsam. Die ersten Jahre passiert kaum etwas. In Jahr 5 übernimmt sie die Wand.
  • Japan Segge (Carex morrowii) — immergrün, robust.
  • Christrose (Helleborus niger) — Dezember bis März.
  • Honorine Jobert (Anemone × hybrida) — weiße Herbstanemone.
  • Elfenblume (Epimedium) — trockenheitsresistent, Frühblüte.

Recherche

Jede Entscheidung wurde gegen die konkreten Bedingungen geprüft — Licht, Feuchtigkeit, Frostverträglichkeit, Wuchsform.

Fachbücher zur Pflanzenauswahl — Kellergarten Heiterwang
Fachbücher helfen dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Pflanzung

Stauden aus dem Gartencenter, Haselwurz und die Rote Heckenkirsche aus dem Wald direkt dahinter. Pflanzen die aus der unmittelbaren Umgebung kommen, kennen das Klima bereits — sie müssen sich nicht erst akklimatisieren.

Saisonkalender

Kein toter Monat.

Der Hof soll ganzjährig lesbar sein — auch im Februar, wenn Schnee liegt.

Feb – März Elfenblumen-Frühlingsblüte unter dem Dachüberstand — erster Beweis, dass der Winter vorbei ist. Nieswurz noch in voller Blüte.
März – April Nieswurz blüht. Bergenie — weiße Blüten unter dem Dachüberstand. Buschwindröschen — weißer Teppich, aus dem Wald, kurzlebig.
April Felsenbirne blüht. Elfenblumen noch in Blüte. Farnaustrieb — Dryopteris und Asplenium treiben aus.
Mai – Juli Salomonssiegel — hängende Glöckchen. Wolfsmilch kalkgrün. Jakobsleiter blau. Elegantester Moment des Hofs.
Juni – Juli Waldgeißbart — cremefarbene Rispen, 1,50 m. Kletterhortensie erste Blüten. Luzula nivea — weiße Blütenrispen.
Aug – Okt Honorine Jobert — weiße Herbstanemone. Sperrige Aster — weiße Sterne auf dunklen Stielen. Felsenbirne Herbstfärbung. Letzter Auftritt vor dem Winter.
Dez – Feb Christrose blüht. Winterstruktur: Nieswurz, Hirschzungenfarn, Haselwurz, Zweige der Heckenkirsche.

Salomonssiegel (Polygonatum) in Blüte — so sieht das im Mai aus. Ab Jahr 2 auch im Kellergarten.

Salomonssiegel in Blüte — hängende Glöckchen im Gegenlicht, Referenzbild

Stand Mai 2026

Beginn.

Die meisten Flächen sind noch offen. Die Pflanzen sind klein. Die räumliche Idee ist noch lesbar — Beton, Schatten, Feuchtigkeit und die ersten Reaktionen darauf.

Kellergarten Heiterwang Übersicht — Trittsteine, Gabionen, erste Bepflanzung, Bezirk Reutte

Mai 2026 — Überblick. Die Strukturen sind da, die Pflanzen fangen an zu wachsen.

Zeitachse

Frühjahr 2026

Erste gesetzte Farne und Schattenpflanzen. Trittsteine gelegt. Offene Erde.

Mai 2026

Erste deutliche Feuchtzonen entlang der Betonwand. Unterschiede zwischen Sonnen- und Schattenbereichen werden sichtbar.

laufend

Der Ort verändert sich weiter. Die meisten Flächen sind noch offen.

Field Notes

Heiterwang · Eisheilige 2026

Der Fächerahorn treibt bereits aus, oberhalb der Waldgrenze fällt wieder Schnee.

Heiterwang · Frühjahr 2024

Der erste Farn erschien direkt neben der Betonstufe, an der Stelle, an der sich nach Regen Wasser sammelt. Die Nordseite blieb auch im April mehrere Wochen feucht. Dort wuchsen zuerst Farne und Moose, nicht die gepflanzten Stauden.

Der Kellergarten bleibt ein Nebenraum. Zwischen Beton, Schatten, Feuchtigkeit und Vegetation verändert sich der Ort weiter.

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